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Natur- und Europaschutzgebiet

Ein Ökosystem in Zeitlupe.

Rund 400 Hektar Hochmoor, gespeist allein durch Regenwasser. Was hier wächst, wächst seit der letzten Eiszeit — etwa einen Millimeter im Jahr.

Ein Ökosystem in Zeitlupe

Ein Moor wächst etwa einen Millimeter im Jahr. Was der Bagger in einer Stunde abträgt, hat die Natur in Jahrhunderten aufgebaut.

Das Bürmooser Moor ist ein Hochmoor von rund 400 Hektar, gespeist allein durch Regenwasser. Unter sauren, sauerstoffarmen Bedingungen zersetzt sich pflanzliches Material kaum – es wird zu Torf. Diese Schicht speichert Wasser, hält den Boden sauer und konserviert alles, was hineinfällt: Pollen, Hölzer, manchmal ganze Fundstücke.

Genau diese Eigenschaft machte das Moor zum Rohstofflager. Ab 1802 urkundlich belegt, ab 1872 industriell: Torf befeuerte die Glashütte und die Ziegelöfen von Bürmoos. Die Entwässerung, die den Abbau erst möglich machte, hat den Wasserhaushalt der gesamten Region verändert.

Seit 1983 arbeiten wir an der Umkehr. Wir stauen Gräben auf, entfernen aufkommende Gehölze, mähen Streuwiesen spät und lassen Totholz liegen. Der Rest ist Geduld.

EU-Vogelschutzgebiet Natura 2000 FFH-Gebiet Kammmolch seit 2014
Torfmoospolster im Bürmooser Moor
Torfmoos speichert das Vielfache seines Eigengewichts an Wasser. Es ist der Baumeister des Moores.
Bodenkunde in vier Schritten

Wie ein Hochmoor entsteht.

Ein Hochmoor ist kein Sumpf und kein See, sondern ein Archiv. Jede Schicht ist ein Jahr — und alles, was hineinfällt, bleibt erhalten: Pollen, Hölzer, manchmal ganze Fundstücke.

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Wasser staut sich

Nach der letzten Eiszeit bleiben Senken zurück, in denen sich Wasser sammelt. Der Boden darunter ist dicht, das Wasser kann nicht versickern.

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Pflanzen sterben, zersetzen sich aber nicht

Unter Wasser fehlt Sauerstoff. Was absinkt, verrottet nicht vollständig, sondern bleibt als Schicht liegen.

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Torfmoos übernimmt

Sphagnum wächst oben weiter und stirbt unten ab. Es säuert sein Umfeld an und speichert das Vielfache seines Gewichts an Wasser — das Moor macht sich seinen Lebensraum selbst.

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Ein Millimeter im Jahr

So wächst die Torfschicht. Was der Bagger in einer Stunde abträgt, hat Jahrhunderte gebraucht. Ein Hochmoor lebt allein vom Regen, nicht vom Grundwasser.

Deshalb ist Entwässerung so folgenreich: Sobald Luft an den Torf kommt, kehrt sich der Prozess um. Der Körper zersetzt sich, sackt zusammen und gibt den gespeicherten Kohlenstoff wieder ab.

33 %
des globalen Bodenkohlenstoffs
Warum Moore zählen

Drei Prozent der Landfläche. Ein Drittel des Kohlenstoffs.

Moore bedecken nur rund 3 % der weltweiten Landfläche – speichern aber bis zu einem Drittel des im Boden gebundenen Kohlenstoffs. Solange sie nass sind. Trocknen sie aus, kehrt sich das um.

Entwässert wird das Moor zur Quelle

Beginnt das organische Material zu zersetzen, entweichen CO₂ und Methan. Entwässerte Moore gehören zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen im Landnutzungssektor.

Wiedervernässung dreht den Hebel um

Aufgestaute Gräben halten das Wasser in der Fläche. Der Torfkörper bleibt nass, die Zersetzung stoppt – und Torfmoose beginnen wieder, Kohlenstoff einzulagern.

Und der Wasserhaushalt profitiert mit

Ein intaktes Moor wirkt wie ein Schwamm: Es puffert Starkregen ab und gibt Wasser in Trockenzeiten langsam wieder an die Landschaft ab.

Rodinger Winkel · 1985 und heute

Aus einer Wüste
wird wieder Moor.

Nach dem Ende des Frästorfabbaus im Jahr 2000 blieb eine wüstenähnliche Fläche zurück – teilweise bis auf den Lehmuntergrund abgetragen. Ziehen Sie den Regler, um zu sehen, was vierzig Jahre Wiedervernässung bewirken.

Luftbild des abgetorften Rodinger Winkels Luftbild des renaturierten Rodinger Winkels heute Nach dem Abbau Heute

Links: Luftbild aus der Zeit des Frästorfabbaus. Rechts: der Rodinger Winkel heute, nach Grabenaufstau und natürlicher Wiederbesiedlung.

Nachschlagen

Moor-Lexikon.

Vierzehn Begriffe, die am Weg, auf den Schautafeln und in diesen Texten immer wieder auftauchen.

Torf
Nicht vollständig zersetzte Pflanzenreste. Entsteht unter Wasser und Sauerstoffmangel, wächst etwa einen Millimeter im Jahr.
Torfmoos
Botanisch Sphagnum. Die wichtigste Pflanze im Moor: Sie bildet den Torf, hält das Wasser zurück und säuert den Boden an.
Hochmoor
Ein Moor, das allein von Regenwasser gespeist wird und über den Grundwasserspiegel hinauswächst. Nährstoffarm und sauer.
Wasen
Der gestochene Torfziegel. Wurde über den Herbst getrocknet und dann in den Torfhütten eingelagert.
Bockerl
Die kleine, mit Torf beladene Lore auf Schienen. Namensgeber der Bockerlbahn.
Radler und Kastler
Die Arbeitsteilung beim Torfstechen: Der Stecher sticht, der Radler fährt ab, der Kastler formt. Eine Zweierpartie schaffte rund 3.000 Wasen am Tag.
Frästorf
Maschineller Abbau: Die Oberfläche wird abgefräst und getrocknet abgesaugt. Ab 1953 in Bürmoos im Einsatz, bis 2000.
Wiedervernässung
Gräben werden aufgestaut oder verschlossen, damit das Wasser wieder in der Fläche bleibt. Die Grundlage jeder Moorrenaturierung.
Streuwiese
Feuchtwiese, die spät gemäht und nicht gedüngt wird. Das Mähgut kommt weg — nur so bleibt sie mager und artenreich.
Grundlose
Bürmooser Bezeichnung für Stellen, an denen der Boden keinen Halt bot. Heute Name eines Gewässers und einer Straße.
Josefitag
Der 19. März. Traditioneller Beginn der Torfstichsaison — davor war der Boden gefroren.
Neophyt
Eingewanderte Pflanzenart. Im Bürmooser Moor vor allem das Drüsige Springkraut, das heimische Arten verdrängt.
Natura 2000
Europäisches Schutzgebietsnetz. Das Bürmooser Moor ist Vogelschutzgebiet und seit 2014 zusätzlich FFH-Gebiet für den Kammmolch.
Torfkurier
Die Vereinszeitung. Erscheint periodisch und geht an alle Mitglieder.
Ein Millimeter im Jahr

Das Moor hat Zeit. Wir haben Sie.

Für zwölf Euro im Jahr werden Sie Teil einer Arbeit, die in Jahrzehnten gerechnet wird – und die schon heute sichtbar ist.